Die Hälfte
der Beschäftigten hat bei der täglichen
Arbeitszeit mittlerweile keine festen
Anfangs- und Endzeiten mehr. Bei 18
Prozent steuert der Betrieb die variable
Arbeitszeit, 32 Prozent können sich die
tägliche Arbeitszeit, beispielsweise
durch Gleit- oder
Kernarbeitszeitvereinbarungen, in
gewissen Grenzen frei einteilen.
Interessantes ISO-Ergebnis: Auch bei
denen, die einen Gestaltungsspielraum
haben, sind für Dauer und Lage der
täglichen Arbeitszeit fast immer
betriebliche Erfordernisse
ausschlaggebend. Sie nutzen ihren
Spielraum, so das ISO, "hauptsächlich
dazu, ihre Arbeitzeit an den
Arbeitsanfall anzupassen." Befragt nach
Ursachen für die Schwankungen ihrer
Arbeitszeit in den zurückliegenden vier
Wochen, nannten 89 Prozent betriebliche
Gründe, nur 11 Prozent private.
Mehr als die Hälfte der Beschäftigten
mit einer variablen, selbstgesteuerten
Arbeitszeitverteilung hatte in den
letzten vier Wochen darüber hinaus auch
länger gearbeitet als vertraglich
vereinbart. Das nannten sie als Gründe:
- "Die Arbeit wäre ansonsten nicht zu
bewältigen gewesen." (82 Prozent).
- "Es tauchten Probleme auf, die
dringend gelöst werden mussten." (62
Prozent)
- "Ich wäre sonst mit dem
Arbeitsergebnis nicht zufrieden
gewesen." (36 Prozent)
Die zusätzlich gearbeiteten Stunden
wurden den meisten von ihnen auf einem
Zeitkonto gutgeschrieben (59 Prozent),
die anderen regelten dies per
informeller Absprachen, so das ISO.
Arbeitszeit schlecht planbar
25 Prozent
der Beschäftigten erklärten ISO, dass
ihre wöchentlichen Arbeitszeiten im
Jahresverlauf betriebsbedingt - fast
immer unregelmäßig und darum nicht
planbar - schwanken.
Bei 36 Prozent variierten die täglichen
Arbeitszeiten im beobachteten
Vier-Wochen-Zeitraum aus betrieblichen
Gründen, bei den meisten von ihnen (76
Prozent) unregelmäßig. Damit wird die
Arbeitzeiteinteilung nur schwer planbar,
merkt die Studie an.
Konsequenz Zeitdruck
Die
Anforderungen an eine flexible, dem
betrieblichen Arbeitsanfall angepasste
Arbeitszeitverteilung setzen viele
Beschäftigte unter Druck. Bei jedem
fünften geht das ISO von "akuten
Vereinbarungsproblemen" zwischen Beruf
und Freizeit beziehungsweise
außerberuflichen Verpflichtungen aus.
Insbesondere Mütter mit Fulltimejob
schlingern am Feierabend in Zeitstress
(33 Prozent). Nicht verwunderlich: je
länger die tatsächliche Arbeitszeit pro
Woche, desto verbreiteter die Zeitnot
danach. Die Hälfte aller Beschäftigten,
die über 45 Stunden pro Woche arbeiten,
geraten außerhalb ihres Jobs regelmäßig
unter Zeitdruck. Am häufigsten wird hier
die Unvorhersehbarkeit der Arbeitszeit
als Grund für den Zeitdruck genannt (43
Prozent), dann die "zu langen
Arbeitszeiten" und schließlich die eher
ungünstige Lage der Arbeitszeit.
Wie wichtig es für Arbeitnehmer ist, die
Arbeitszeit vorhersehen und einplanen zu
können, zeigt sich an diesem ISO-Befund:
Selbst Beschäftigte mit
Arbeitszeiten von über 45 Stunden in der
Woche finden die schlechte Planbarkeit
ihrer Arbeitszeit problematischer als
die Länge. Durch die
Unvorhersehbarkeit des Arbeitsanfalls
sahen sich 64 Prozent der Beschäftigten
dieser Gruppe unter außerberuflichen
Zeitdruck gesetzt. Die Dauer wurde von
44 Prozent als Problem angesehen
(Mehrfachnennungen möglich).
Quelle:
Hans- Böckler-Stiftung Deutschland